Inhaltsverzeichnis

Lassenius, Johann - Heilige und erbauliche Passions-Andachten - Andere Woche

vorstellend

I. Die sieben allerheiligsten Opfer Christi.
II. Die sieben allergrößesten Wohlthaten des Heilandes.

Vor dem Fall bedurften Adam und Eva keiner Opfer, denn sie hatten keine Sünde; nach dem Fall aber wurden die Opfer von Gott angeordnet: 1) die Sünde wegzunehmen, im Absehen auf das vollkommene Versöhnungs-Opfer, das durch Christum geschehen sollte, 4 Mos. 15. V. 25,3 Mos. 4. V. 35. 2) Als Vorbilder auf Christum und sein blutiges' Verdienst, Hebr. 9. 3) Als Schreckbilder, daraus die Grausamkeit der Sünden zu erkennen, um derer willen so viele unschuldige Thiere mußten geschlachtet werden.

Die ersten Opferer, die in der Schrift mit Namen genennet werden, sind gewesen: Abel, 1 Mos. 4. V. 4. Noah, 1 Mos. 8. V. 21. Abraham, 1 Mos. 12, V. 6. Isaak, 1 Mos. 26. und Jacob, 1 Mos. 33.

Die vornehmsten Opfer des Alten Testaments waren: 1. Die Brandopfer, 2. die Dank- und Gelübdes-Opfer, 3. die Versöhnungsopfer, 4. die Speisopfer.

Alle diese Opfer mußten verrichtet werden:
1) mit geängstetem Geist und zerschlagenem Herzen, Ps. 51. V. 21.,
2) mit reuigem Bekenntniß der Sünden, 3 Mos. 16. V. 21.,
3) mit andächtigem Gebet, 1 Sam. 13. V. 13.,
4) mit dem Segen, 2. Sam. 6. V. 18.
5) mit Singen, 4. Mos. 10. V. 10.

Zu den Opfern wurden gebraucht: 1. Ochsen, 2. Rinder, 3. Schafe, 4. Lämmer, 5. Böcke, 6. eine rothe Kuh, und 7. Tauben, 3 Mos. 1. V. 1.

Ochsen und Rinder wurden geopfert, zu verkündigen die Mühe und Arbeit, die Christus in Tilgung der Sünde haben würde. Schafe und Lämmer bedeuteten seine Unschuld. Der Bock der Sünder Widerspänstigkeit. Die Tauben seine Sanftmuth.

Das Feuer, damit diese Opfer angezündet wurden, fiel vom Himmel. 3 Mos. 9. 24.1 Chron. 22. V. 25. 1 Kön. 18. V. 24. 2 Chron. 7. V. 1 und durfte nimmer verlöschen, 3 Mos. 6. V. 12, sollte auch nicht verlöschen bis auf Christi Zukunft, zum unfehlbaren Beweise wider die Blindheit der Juden, daß der Messias wahrhaftig gekommen.

Und wie alle diese Opfer Schattenbilder waren auf Christum und durch ihn allein kräftig, so endigten sie sich auch alle mit ihm, nach Daniels Weissagung, Dan. 9. V. 27, daß mitten in der Wochen die Opfer und Speisopfer aufhören sollten, Hebr. 10. V. 5: Opfer und Gaben hast du nicht gewollt, den Leib aber hast du mir zubereitet, Ps. 40. V. 7. Eph. 5. V. 2. Denn Christus hat im Neuen Testament unsere Sünde selbst geopfert, 1 Petr. 2. V. 4. und ist uns ein ewiger Hoherpriester geworden, Ps. 110. V. 4, dessen Opfer allein gültig ist, Röm. 3. V. 25. Hebr. 10. V. 26. Und es heißt nunmehr allein von Christo: Siehe, das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt, Joh. 1. V. 29. und sein Leben zum Schuld-Opfer dahin gegeben hat, Esa. 53. V. 11.

Wir sind durch Christum von allen kostbaren Mosaischen Opfern befreit, bleiben ihm aber allezeit schuldig, unsere Leiber aufzuopfern, Röm. 12. V. 1. sammt Seele, Herz und Geist, auch allem, was wir sonst besitzen

1) An Gütern des Glücks: durch Wohlthun an den Armen, Hebr. 13. V. 16.
2) An Gütern des Gemüths: durch Gottseligkeit, Beten, Danken, Reue über die Sünde und heiliges Andenken des blutigen Leidens Christi.
3) An Gütern des Leibes: mit Christo zu leiden, Gal. 6. und unsere Glieder zu Waffen der Gerechtigkeit zu machen, Röm. 6. Und das zu aller Zeit und bei aller Gelegenheit; wie er, Christus, selbst sich für uns seinem himmlischen Vater aufgeopfert hat:

1) Auf dem Altar der Erden, da er am Oelberg gelegen und blutigen Schweiß geschwitzet.
2) Auf dem steinernen Altar: da er gegeißelt wurde; und
3) Auf dem hölzernen Altar des Kreuzes: da er endlich auf Golgatha sein Leben für uns gelassen.

Ich finde auch, daß die Brand-Opfer des Morgens und Abends mußten verrichtet werden mit zwei Lämmern, die ohne Wandel waren, und daß das Blut des Opfer-Viehes siebenmal habe müssen gesprengt werden vor dem HErrn, 3 Mos. 4. V. 17. So ist's derowegen unsere Schuldigkeit, jetzt vor allen Dingen, da wir das Andenken des Lammes Gottes und seines blutigen Leidens begehen, täglich mit unserm Dankend Denk-Opfer vor Gott zu erscheinen. Uno wie ich für die erste Woche in der Fasten durch vorige Andacht Euch Gelegenheit dazu gegeben, will ich E. L. auch diesmal die Mittel zu dieser heiligen Arbeit zeigen und widme zur Andacht der andern Fasten-Woche und deren sieben Frühstunden.

III. Die sieben allerheiligsten Opfer Christi.

Mit wiederholter herzlicher Bitte, dem gekreuzigten Jesu zu Ehren und zu Eurer eignen Seelen Heil schmerzlich und tröstlich zu überlegen:

I. Das Opfer des Gebets.

Christus ist einmal geopfert, wegzunehmen Vieler Sünde, Ebr. 9. V. 28. und hat am Tage seines Fleisches Gebet und Flehen mit starkem Geschrei und Thränen geopfert zu dem, der ihm von dem Tode konnte aushelfen, und ist auch erhöret darum, daß er Gott in Ehren hatte, Ebr. 5. V. 7. So betete er insonderheit am Oelberge heftig, Matth. 26. V. 39. Marc. 14. V. 35. Luc. 22. V. 41. und am Kreuze, da er sterben sollte, für alle seine Feinde: Vater, vergieb ihnen! Besonders war sein herzliches und kräftiges Gebet für seine Gläubigen Joh. 17. merkwürdig und voll Saft und Kraft alles himmlischen Trostes: Vater! ich will, daß, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, daß sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast. Gerechter Vater! die Welt kennet dich nicht, ich aber kenne dich, und diese erkennen, daß du mich gesandt hast; und ich habe ihnen deinen Namen kund gethan und will ihnen kund thun, auf daß die Liebe, damit du mich liebest, sei in ihnen und ich in ihnen. Und er ist noch unser Fürsprecher bei Gott, 1 Joh. 2. V. 1. und der Geist vertritt uns mit unaussprechlichem Seufzen, Röm. 8. V. 26. So hat Gott selbst uns befohlen, in aller Noch ihn anzurufen, und Erhörung zugesagt, Ps. 50. V. 15. Dahingegen wir schuldig. die Früchte unserer Lippen ihm wiederum aufzuopfern, Hebr. 13. V. 15. auch Gebet, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen zu thun, 1 Tim. 2. V. 1. Betet derowegen:

Gnädiger und gütiger GOTT! du Vater der Barmherzigkeit über alles, was Kinder heißt im Himmel und auf Erden: ich liege vor dir mit meinem Gebet, um der Fürbitte Jesu deines Sohnes willen, der sich dir für mich mit allem seinen Gebet aufgeopfert. Ach GOTT! laß sein Gebet meine kräftigste Fürbitte sein und erhöre mich in allen meinen Anliegen, nicht nach den Worten, die ich rede, sondern nach der Liebe, zu deinem Sohne, daß, was meinem Gebete abgehet, ich in dessen Kraft finde; auch in aller Roth seinetwegen, absonderlich in der letzten Leidens- und Sterbensnoth erhöret werde. Hilf mir, HERR, allezeit aufheben heilige Hände, ohne Zweifel und Zorn, und heilige all mein Gebet und Seufzen durch Jesum Christum, deinen Sohn. Amen.

II. Das Opfer seines Willens.

Dieses verrichtete Jesus gegen seinen Vater im Himmel mit den Worten Matth. 26: Doch Vater, nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe. So hatte er uns beten gelehrt, Matth. 6. V. 10. und so wollte er nach seinem Beispiel uns anweisen; denn er war gekommen, zu thun den Willen des, der ihn gesandt hatte, Joh. 4. V. 34. Darum suchte er auch nimmer seinen Willen, Joh. 5. V. 30. So wir etwas bitten nach seinem Willen, wird er uns erhören, 1 Cor. 5. V. 13. Seufzet von ganzem Herzen:

Ach GOTT! mache mich fertig, zu thun deinen Willen, und erfülle mich allezeit mit Erkenntniß deines Willens, daß ich verstehe, welches sei der vollkommene Gottes-Wille und nimmer thue nach dem Willen meines Fleisches, sondern deinem gekreuzigten Sohne Jesu folge, meinen Willen, o GOTT, dem deinigen zu unterwerfen. Daß ich leide nach deinem Willen, wenn, wie, was und wie lange ich auch leiden soll; daß ich nach deinem Willen dir stets gefällig lebe, auch nach deinem Willen willig und fröhlich sterbe. Nimm an, mein Vater, das Opfer meines Willens, das ich jetzt bringe, und stärke mich durch deinen heiligen guten Geist, daß ich von dem Wege deines Willens nimmer weiche, niemals mir, dir aber allezeit lebe, und nichts wolle, als was du willst. So sei dein Name in mir und in allen meinen Werken überall geheiliget. Amen.

III. Das Opfer seines blutigen Schweißes.

Fürwahr, er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsere Schmerzen. Er ist um unsrer Missethat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen, die Strafe liegt auf ihm, auf daß wir Friede hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilet, Jes. 53. V. 4 f. Hierzu wurde der Anfang gemacht am Oelberge, wo der Herr blutigen Schweiß schwitzte, Luc. 22. V. 44. Der Schweiß zeugt von seiner Arbeit, das Blut von seinem Leiden, der Schweiß deutet an die Erfüllung des Alten Testaments, das Blut die Stiftung des Neuen. Wir sollten in ihm die Gerechtigkeit haben, die vor Gott gilt, 2 Cor. 5. V. 21. und die Erlösung sollte durchs Blut geschehen. Darum wollte der geistliche Weinstock, unter der Kelter des göttlichen Zorns, bis aufs Blut gepreßt sein, Joh. 15. und das Gewand des Helden von Edom mußte sein wie das eines Kelter-Treters, rothfarben, Jes. 63. Nun wäscht er sein Kleid in Wein und seinen Mantel in Weinbeer-Blut, 1 Mos. 49. V. 2. Nun treuste die Würze, Hohes-Lied Salom. 4. V. 16, daß Adams Schweiß und der Erden Fluch in Segen verwandelt würde daß wir durch sein Blut erlöset, von dem Höllen-Schweiße befreiet und vor der Hitze der Verdammniß verschonet blieben. Seufzet andächtig:

Allerliebreichster HERR JESU! wie schrecklich war meine Sünde, die dir den blutigen Schweiß austrieb. Laß mich dein Blut nimmermehr mit Füßen treten, allezeit aber bis aufs Blut widerstehen im Kampf gegen die Sünde. HERR JESU! laß deinen blutigen Schweiß meine Kraft werden in allen meinen Leiden, insonderheit meines Herzens Trost in meinem letzten Abschiede von der Welt. HERR sei mir gnädig um deines Todes -Kampfes und blutigen Schweißes halber und laß deinen Schweiß und dein Blut mir Stärke und Muth geben in allen meinen geistlichen und leiblichen Versuchungen, bis auf die Zeit, da du alle Thränen von meinen Augen abwischen und mich mit ewiger Freude krönen wirst. Amen.

IV. Das Opfer seiner Freiheit.

Und der Ober-Hauptmann und die Diener der Juden nahmen Jesum und banden ihn, Joh. 18. V. 12. als einen Uebelthäter, daß ihm das Blut aus den Nägeln drang nach vieler Väter Meinung. Das litt er aber geduldig für uns, aufzulösen die Stricke des Todes und uns zu entbinden von den Banden Belials, Ps. 18. V. 5. den Banden der Sünde, des Todes und der Höllen. Dieses geduldige Schlacht-Lamm ließ sich binden wie Isaak, Jes. 53. V. 7. 1 Mos. 22. V. 9., daß er ein Opfer würde uns zur ewigen Freiheit, wie er durch die Bande und Seile der Liebe von Ewigkeit her uns zu sich gezogen, Jer. 31. V. 3. Adam und Eva hatten die Bande des Gehorsams von sich geworfen, Ps. 2. V. 1. Durch Christum ist das dadurch verdiente Gefängniß gefangen geführt, Ps. 68. V. 19. und wir in das Bündlein der Lebendigen eingebunden, 2 Sam. 25. V. 29. und Erlösete des Herrn geworden, Jes. 35. V. 10. Betet herzlich:

Freundlicher HERR JESU! Laß mir deine Bande sein wie das Seil der Rahab und schone meiner Missethaten; binde mich wie ein Siegel auf dein Herz und wie einen Siegelstein auf deinen Arm. Und so ich ja um deinetwillen zeitliche Bande tragen sollte, laß mich die für Ehre halten, weil sie dir für mich keine Schande gewesen. Ich will alle meine Glieder verbinden zu deinem Dienste und an den Gehorsam deiner Gebote; verbinde mich dir wiederum in Liebe, o JESU, daß ich fest an dir bekleibe und mich der Tod nicht von dir scheide, sondern ich in Ewigkeit an deinem Leibe ein Glied und an dir, du Baum des Lebens, ein Zweiglein bleibe. Hilf mir, daß ich durch deine Kraft und deinen Beistand frei von der Sünde dein Diener, Knecht und Erbe sei zeitlich und ewiglich. Amen.

V. Das Opfer der Ehre.

Viele Lästerungen sagten sie wider ihn, Luc. 22. V. 65. und Herodes ließ ihn in einem weißen Kleide herumführen, Luc. 23. V. 11. Am Kreuz lästerten ihn, die vorüber gingen, und die Mörder, die mit ihm gekreuzigt waren, schmäheten ihn auch, Matth. 27. V. 39. Das Anspeien war sonst die allergrößte Unehre und Schmach, 4 Mos. 12. V. 14. 5 Mos. 25. V. 9. Hiob 30. V. 10. Er wollte aber um unserntwillen solche Schmach tragen, Psalm 69. V. 8. und ein Spott der Leute und die Verachtung des Volkes werden, Psalm 22. V. 7. daß die, so wie ein Speichel sollten weggeworfen werden, Offb. 3. V. 16. durch ihn wieder zu Ehren gebracht würden und seiner Ehre Verletzung ihnen der ewigen Ehre Ersetzung würde. Betet eifrig:

HERR JESU! ich sage dir nicht so viel Dank als ich soll, sondern so viel ich kann, daß du für mich zum Spott der Gottlosen geworden, auf daß ich nicht ein Spott der Teufel würde. Ich habe Theil an deiner Verspottung und weiß, daß du sie für mich erduldet, aber ich werde auch Theil haben an deiner Ehre im Himmel, die du mir hierdurch erworben hast. Sollte ich, weil ich lebe, auch in jenem Stücke dir müssen gleich werden, so erinnere mich stets deines Spottes, deiner Lästerung und deines Hohnes, auf daß ich geduldig leide und nimmer müde werde, in deine Fußtapfen trete und um deinetwillen auch den Tod nimmer scheue. Das hilf mir JESU, mein Heil! Amen.

VI. Das Opfer seines allerheiligsten Leibes.

Die Turtel-Taube wurde den grimmigen Thieren übergeben, Ps. 74. V. 19. der Heiland entblößt, welche Schmach ihm das Herz gebrochen, Ps. 69. V. 21. an eine steinerne Säule gebunden und heftig und grausam gegeißelt, Joh. 19. Matth. 27. Marc. 15. Denn er sollte durch seine Striemen uns heilen, Jes. 53. V. 5. 1 Petr. 2. V. 24. Darum zerrissen sie sein Fleisch und hörten nicht auf, sie ackerten auf seinem Rücken und zogen die Furchen lang, Ps. 129. V. 3. daß überall nichts Gesundes an seinem Leibe blieb, Ps. 38. V. 8. Seufzet demüthig:

HERR JESU, du Heiland aller Welt! Ich sollte mit unbarmherzigen Streichen um meiner großen Missethat und um meiner harten Sünden willen geschlagen werden; ich bin der Knecht, der seines Herrn Willen gewußt und ihn nicht gethan hat und darum schuldig, viel Streiche zu leiden. Aber du hast um meiner Sünde willen dich zerschlagen lassen. Ach HERR! laß deine Geißeln einen Haß gegen die Sünde in mir erwecken und eine Vorsichtigkeit, dich nimmer muthwillig zu erzürnen. Wolltest du aber nach deiner Gerechtigkeit meine Sünde in der Zeit mit Ruthen heimsuchen und meine Missethat mit Plagen, so laß es mir eine väterliche Züchtigung sein und nimm mich hernach zu deinem Sohne auf. Amen.

VII. Das Opfer seines Lebens.

Er gab sein Leben zum Schuld-Opfer, 1 Cor. 15. und ist gestorben für unsere Sünde, nach der Schrift, Röm. 4. daß nichts Verdammliches bliebe an denen, die in ihm sind, Röm. 8. Denn durch seinen Tod hat er dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergänglich Wesen ans Licht gebracht, 2. Tim. 1. Er hat den Tod verschlungen in den Sieg, Joh. 11. und ist das Leben worden den Sterbenden. Seufzet deshalb andächtig:

Gerechter HERR JESU! laß mich sterben in der Gemeinschaft deines Todes, laß deinen freiwilligen Tod alle Furcht des Todes bei mir vertreiben. Dein Tod müsse mein Leben sein, da durch deinen Tod alle meine Sünde gestorben und durch dein Sterben mir das ewige Leben erworben ist. Ich will dir leben, so lange ich hier bin, und dir sterben, wenn ich nicht länger in der Welt sein soll. Sei du mein Leben im Sterben, mein Leben im Lieben und laß mich durch deine Liebe, dein Leiden und Sterben das ewige Leben aus Gnaden ererben. Amen.

Den Abendstunden der andern Woche in den Fasten eigne ich zu:

IV. Die sieben allergrößesten Wohlthaten, welche durch das blutige Verdienst Christi uns erworben sind.

Und bitte zu bedenken

I. Die Wohlthat des begütigten Zornes des himmlischen Vaters.

Christus hat uns mit Gott versöhnet, Eph. 5. Col. 1. von dem zukünftigen Zorne erlöset, 1 Thess. 1. davon befreiet, 1 Petr. 1. und uns Gott angenehm, hier gerecht und dort ewig selig gemacht. Er hat uns erlöset von dem Fluch des Gesetzes, da er ward ein Fluch für uns, Gal. 3. V. 13. weil allen Menschen unmöglich war, einen solchen Fluch zu ertragen, oder noch viel weniger aus dem Gesetz die Gerechtigkeit zu erlangen, Röm. 3. Betet derowegen:

HERR JESU! du heiliges Gottes-Lamm, ich danke dir demüthig, daß du uns mit deinem himmlischen Vater durch dein Blut versöhnt hast und den verdienten Fluch in einen Segen verwandelt. Ich bitte dich herzlich, gieb mir ferner so viel Kraft als ich nöthig habe, dem Teufel, der Sünde und meinen bösen Begierden zu widerstreben, auf daß ich nicht abermal mir selbst zum Fluch werde, das Böse aber allezeit verfluche, in aller geistlichen Anfechtung deiner Wohlthat mich erinnere und so lebe, daß ich die durch dein Leiden erworbene Gnade nicht verscherze, in dir aber die Seligkeit dort ewig finde. Amen.

II. Die Wohlthat der versöhnten fremden Schuld.

Es hat Christus in seinem ganzen Leiden der Uebelthäter Stelle als ein Selbstschuldiger vertreten und sich freiwillig dargestellt als ein Erlösungs-Mittler, 1 Tim. 2. V. 5. für alle andern, 2 Cor. 5. V. 14. und sein Leben für uns gelassen, Röm. 5. als selbst der größte Sünder, 2. Cor. 5. den doch niemand jemals einer Sünde zeihen können. Also daß der Gläubige das erschreckte Gewissen, den anklagenden Teufel und die gräßliche Hölle getrost auf Christum weisen darf, das Lamm Gottes, das der ganzen Welt Sünde getragen und die Handschrift, die wider uns war, ausgelöscht hat. Seufzet inniglich:

Lob. Ehr und Dank sei dir von Ewigkeit zu Ewigkeit, o gebenedeieter HERR JESU! daß du meine Schuld so willig auf dich genommen. O du mein heiliges GOtteslamm! diese Wohlthat kann Himmel und Erde dir so wenig vergelten, als wie wenig man diese Liebe ihrer Würdigkeit nach aussprechen kann. Ich armes Würmlein flehe dich herzlich an, laß mich, o meine Liebe! in deiner Liebe beständig bleiben und laß deinen heiligen Geist in aller Schwermuth meines Herzens mir zurufen, im Leben und Sterben: Sei getrost, der Herr Jesus trägt alle deine Schuld.

So werde ich nicht ein Fremdling in deinem Hause sein, sondern aus Gnaden ein Erbe deines himmlischen Reiches werden. Das laß also geschehen, HERR JESU! Amen.

III. Die Wohlthat der mit dem Tode bezahlten Schuld.

Sollte nichts Verdammliches an der Sünde übrig bleiben, Röm. 8. so mußte das Lösegeld von dem Heilande mit seinem Tode bezahlt werden, Jes. 53. denn in seinem Fleische ist die Sünde verdammt und als eine verdammliche strafbare Sache wirklich bestraft worden, Röm. 3. V. 25. Darum wollte der Vater seines eigenen Sohnes nicht verschonen, sondern hat ihn für uns alle dahin gegeben, Röm. 8. V. 32. Betet:

Hilf, liebreichster HERR JESU, daß ich nimmer vergesse deines Todes, der du meines Lebens eingedenk gewesen, ehe ich noch zu leben angefangen! Du hast mich erwählt, ehe noch der Welt Grund gelegt worden, und bist mir zu gut gestorben, daß ich durch den Tod das ewige Leben erwürbe. HERR, laß mich mir stets absterben von allen meinen Sünden, daß ich in dir lebe und ewig nimmer sterbe; dein Tod aber müsse mein Trost im Sterben und mein Leben auch nach dem Tode sein. Weise mir, mein Leben! den Weg nach dem Himmel und tödte mich der Welt, daß ich dir allein lebe. Amen.

IV. Die Wohlthat der überreichlich für uns bezahlten Schuld.

Christus hat uns erlöset von der Gewalt des Teufels, dem wir der Sünden wegen gefangen lagen, Zach 9. Luc. 1 und ist einmal geopfert, wegzunehmen Vieler Sünde, Hebr. 9.

V. 26. Denn er ist um unsrer Sünde willen dahingegeben, Röm. 4. V. 25. hat sie getragen, Joh. 1. V. 29. und die Strafe auf sich genommen, Jes. 53. V. 5. reiniget uns von der Sünde mit seinem Blut, 1 Joh. 1. V. 7. Hebr. 13. V. 2. So ist er um unsrer Sünden willen gestorben, 1 Cor. 16. V. 3. hat die Missethat versiegelt, Dan. 9. und sie in die Tiefe des Meeres geworfen, Mich. 7. daß alle Handschrift wider uns ungültig würde, Col. 2. V. 14. Betet derohalben:

HERR JESU, der du tilgest meine Uebertretung und meiner Sünde nicht gedenkest! ich bitte dich demüthigst, laß in aller Angst meines Herzens mich die freudigen Worte hören von deinem Geiste: Sei getrost, mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben! Ich weiß und glaube, daß alle meine Uebertretungen, wie sie auch Namen haben mögen, mit gestanden haben auf dem Schuldbriefe, den du an dein Kreuz geheftet, wo du deinem himmlischen Vater mit blutigem Lösegelde genug gethan. Laß diesen Trost allezeit lebendig sein in meinem Herzen, daß im Leben und Sterben ich mich deines unendlichen Leidens getröste und wider Tod und Teufel, Hölle und Sünde damit obsiege. Ich bin, O JESU, mein Hirt, dein theuer erkauftes Schäflein; laß mich dein sein und bleiben, im Leben und im Sterben. Amen.

V. Die Wohlthat der für Gute und Böse und also für die ganze Welt bezahlten Sünden-Schuld.

Der Unglaube ist die Ursach der Verdammniß, Joh. 3. V. 18. und was die Verdammten nicht haben glauben wollen, ist eben, daß sie nicht für wahr gehalten, Christus sei auch für ihre Sünde gestorben. Doch hebet der Menschen Unglaube Gottes Glauben nicht auf, denn also stehet geschrieben Röm. 14. V. 15. Lieber, verderbe den nicht mit deiner Speise, um welches willen Christus gestorben ist, 1 Cor. 8. Wird nicht also über deiner Erkenntniß der schwache Bruder umkommen, um welches willen doch Christus gestorben ist, 2 Petr. 2. V. 1. Die falschen Propheten verleugnen den Herrn, der sie erkauft hat.

Christus war eben darum gekommen, daß er das Verlorne suchen und selig machen sollte. Luc. 19. V. 10. welches alle Menschen sind, Jes. 53. Seufzet herzlich:

Gütigster HERR JESU! die Schuld meiner Sünden ist angewachsen bis in den Himmel, und ich weiß nicht, wohin ich mit meiner Schande soll. Ich getroste mich aber deiner huldreichen Güte und kostbaren blutigen Bezahlung für der ganzen Welt Sünde. Ach JESU! meine Sünden stehen mit auf der Handschrift, die du am Stamme des Kreuzes getilget hast; laß sie daselbst ewig ausgelöscht bleiben und meinen Namen im Buch des Lebens erfunden werden. Das bitte ich, HERR JESU, erhöre mich! Amen.

VI. Die Wohlthat der wahrhaftigen Versöhnung mit Gott.

Röm. 5. V. 11. Wir sind mit Gott versöhnet durch den Tod seines Sohnes, da wir noch seine Feinde waren. 2 Cor. 5.19.: Gott war in Christo und versöhnete die Welt mit ihm selber. Betet andächtig:

Gerechter und barmherziger GOTT! wir waren weiland Feinde, nun hat mich dein Sohn, an welchem du Wohlgefallen hast, dir versöhnet. Ach GOTT, laß mich nun deine Gerechtigkeit nicht strafen noch deinen Zorn treffen; deine Barmherzigkeit aber müsse mein Trost sein in aller meiner Schwermuth. Was ich nicht gekonnt, hat dein Kind für mich abgestattet. So laß mich, liebster Vater, in diesem Geliebten dir lieb werden, daß seine Liebe meinen wohlverdienten Haß tilge, und ich durch seine Liebe bei dir ewig gerecht und selig werde. Amen.

VII. Die Wohlthat seiner hohenpriesterlichen Fürbitte.

Diese verrichtete der Herr Jesus nicht allein im Stande seiner Erniedrigung, da er für alle Menschen gebetet, sondern er verrichtet sie auch jetzt noch im Stande seiner Erhöhung , da er sitzt zur Rechten seines Vaters, 1 Joh. 2. V. 4.: Ob jemand sündiget, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater, Jesum Christum, der gerecht ist, und derselbige ist die Versöhnung für unsere Sünden, nicht allein aber für die unsrigen, sondern auch für der ganzen Welt Sünde. Röm. 8. V. 33 f.: Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hie, der gerecht macht. Wer will verdammen? Christus ist hie, der gestorben ist, ja vielmehr der auch auferwecket ist, welcher ist zur Rechten Gottes und vertritt uns. Seufzet derowegen:

Lob, Ehr und Preis sei dir, holdseliger HERR JESU, für alles dein Leiden und Sterben, insonderheit für deine heilige Fürbitte für mich armen Sünder. Diese allein ist meines Lebens Leben und in der größten Seelenangst meine höchste Zuflucht. Und ich bin gewiß, daß, wenn, künftig in der Stunde des Todes mein Mund nicht mehr wird reden können, ich deine Fürsprache genießen werde und bei deinem himmlischen Vater zu Gnaden kommen. HERR JESU, mein König, ich bin dein getreuer Unterthan; mein Prophet, ich glaube deinen Worten; mein ewiger Hoherpriester, dein will ich lebend und todt sein! Weil du für mich redest, werden alle meine Ankläger verstummen müssen und ich durch dein blutiges Verdienst die Gerechtigkeit haben, di? vor Gott gilt. Des getröste ich mich und harre dein, der du allein bist meines Herzens Trost und mein Theil. Amen.

Ich opfre, JESU, dir mein Herz,
Auf dein Gesetz zu achten,
Mein Geist soll stets sehn himmelwärts,
Dein Leiden zu betrachten.
Ich opfre dir mich selber auf,
Wie ich versprach in meiner Tauf;
HERR, laß dir's Wohlgefallen!